Verständliche Arzneimittelinformationen für alle

 

 

 

 

Lifestyle-Medikamente

 

Einige Arzneimittel werden als sogenannte Lifestyle Medikamente bezeichnet und von den Kassen nicht erstattet. Sie dienen per Definition der Krankenkassen nicht dem Erhalt der Gesundheit, sondern der Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität. Zu dieser Gruppe gehören verschreibungspflichtige Medikamenet zur Steigerung der sexuellen Potenz, zum Abnehmen und zum Anregen von Haarwuchs. In den letzten Jahren sind einige Produkte mit viel PR und Werbung auf den Markt gekommen, die wir hier kurz vorstellen. Da diese Medikamente rezeptpflichtig sind und hohe Risiken bergen, wir unbedingt die Beratung durch einen Arzt empfohlen.

 

Potenzmittel

Viagra (Pfizer)

Sildenafil, ein Phosphodiesterasehemmer, ist zur Behandlung der erektilen Dysfunktion zugelassen worden, da es die physiologische Reaktion auf sexuelle Reize verstärkt. Zur Erektion kommt es, wenn sich die glatte Muskulatur entspannt und Blut in die Corpora cavernosa einströmt. Phosphodiesterase Typ V wirkt dem entgegen und läßt das Glied erschlaffen. Sildenafil hemmt die Phosphodiesterase V, die Erektion hält länger an. Erektile Dysfunktionen können so beseitigt werden, was in klinischen Studien belegt wurde. Als Nebenwirkungen treten v.a. auf: Kopfschmerzen, Hitzewallungen, Dyspepsie, verstopfte Nase und Sehstörungen. Sehstörungen werden dadurch wahrscheinlich, weil Sildenafil auch die Phosphodiesterase VI gehemmt, die für die Lichtübertragung in der Netzhaut von Bedeutung ist. Vor der Einnahme wird dringend empfohlen, sich mit einem Arzt zu beraten, um Risiken der Anwendung zu erörtern. Dies trifft besonders auf Patienten mit anderen Erkrankungen wie Diabetes, koronarer Harzkrankheit, Rhythmusstörungen oder Hypertonie.

Cialis (Lilly)

Nach Sildenalfil ist Tadalafil der zweite Wirkstoff zur Behandlung der erektilen Dysfunktion. Er hat denselben Wirkmechanismus, hemmt selektiv die cGMP-spezifische PDE-5, wodurch der Gehalt an cGMP in der Muskelzelle steigt. Deshalb wirken diese Substanzen nur nach sexueller Stimulation und nicht eigenständig. Auch die Nebenwirkungen ähneln sich: Kopfschmerzen, Dyspepsie, Gesichtsröte (Flush), Schwindel und Rhinitis. Die unter Sildenafil beobachteten Farbsehstörungen traten unter Tadalafil und auch unter Vardenafil seltener auf. Die Wirkstoffe sind kontraindiziert bei Patienten, die organische Nitrate oder NO-Donatoren einnehmen (Gefahr einer verstärkten Blutdrucksenkung).

Wegen seiner langen Halbwertszeit von 17.5 Stunden) wird Tadalafil auch als Wochenendpille bezeichnet. Die Einnahme sollte am besten 30 Minuten bis 12 Stunden vor dem gewünschten Geschlechtsverkehr stattfinden. In Studien war die Einnahme von Tadalafil der von Placebo deutlich überlegen und führte bei Dreiviertel der Anwender zum gewünschten Erfolg. Der Effekt sinkt bei Männern mit Diabetes Typ 1 oder 2, ist allerdings immer noch signifikant besser als bei Placeboeinnahme.

Levitra (Bayer)

Der dritte PDE-5-Hemmer ist Vardenafil. Es ähnelt dem Sildenafil.

Bei einigen Männern wurden bereits 15 Minuten nach Vardenafil-Einnahme maximale Plasmaspiegel gemessen. Die Halbwertszeit liegt im Mittel bei 4 bis 5 Stunden, ähnlich wie bei Sildenafil (3 bis 5 Stunden). Indinavir, Ritonavir, Ketoconazol und Itraconazol können die Plasmaspiegel von Vardenafil erheblich steigern; eine gleichzeitige Einnahme muss daher vermieden werden.

Die Einnahme erfolgt 25 bis 60 Minuten vor dem erwünschten Geschlechtsverkehr; die maximale Dosis sollte 20 mg einmal täglich nicht überschreiten.

Interessant an den klinischen Studien zu allen drei Substanzen ist, dass die Erfolgsquoten bei der Einnahme von Placebopräparaten zwischen 30 und 50 Prozent lagen.

Achtung: In Kombination mit Grapefruit-Saft kann es zu verstärkten Sehstörungen, Blutdruckabfall oder schmerzhaften Erektionen kommen.

 

Mittel zur Gewichtsreduktion

Xenical (Roche)

Orlistat ist ein Tetrahydrolipstatin, das in der Lage ist, Lipasen langanhaltend zu hemmen. Durch Orlistat soll die Fett- und Cholesterolaufnahme reduziert werden, um dadurch das Körpergewicht zu reduzieren. Klinisch konnte dieser Effekt belegt werden. Nach Absetzen der Therapie stiegt das Körpergewicht wieder an. Während der Therapie treten unangenehme Nebenwirkungen auf: fettige und flüssige Stühle, Defäkationsdrang, Blähungen mit Stuhlabgang und Stuhlinkontinenz. Außerdem ist die Resorption fettlöslicher Vitamine eingeschränkt. Deshalb wird empfohlen, mindestens zwei Stunden vor Applikation von Orlistat, ein Multivitaminprodukt einzunehmen. Xenica ist bei Experten umstritten, da der gleiche gewichtsreduzierende Effekt durch vermehrte körperliche Aktivität in Kombination mit einer Nahrungsumstellung ohne die beschriebenen Nebenwirkungen erreicht werden kann.

Reductil (Knoll)

Sibutramin ist zugelassen zur unterstützenden Therapie bei Patienten mit ernährungsbedingten Übergewicht und einem Body-mass-Index (BMI) von mehr als 30 kg/m² . Liegen Erkrankungen vor, die durch Übergewicht verschlimmert werden, wie Diabetes mellitus oder Dyslipidämie, kann Sibutramin bereits ab einem BMI von 27 kg/m² eingesetzt werden.

Grundsätzlich sollte mit Sibutramin erst dann therapiert werden, wenn mit anderen Maßnahmen das Gewicht in drei Monaten nicht über 5 kg gesenkt werden konnte. Sibutramin ist ein zentral im Gehirn wirksamer Arzneistoff, dosisabhängig die Wiederaufnahme von Noradrenalin und Serotonin aus dem synaptischen Spalt hemmt. Als Folge kommt es durch zu einer Steigerung des Sättigungsgefühls.

Der erzielbare Abnahmeeffekt liegt zwischen 5 und 10 Prozent des Ausgangsgewichtes. Nach Absetzen schwindet der Effekt, wie auch nach klassischen Appetitzüglern. Sibutramin sollte nicht länger als ein Jahr anzuwenden. Nach dem Jahr sollte die Therapie mit Ernährungs- und Verhaltensumstellungen weitergeführt werden.

 

Haarwuchsmittel

Propecia (MSD)

Der Wirkstoff Finasterid, der bisher zur unterstützenden Therapie der benignen Prostatahyperplasie eingesetzt wurde, ist zusätzlich in schwächerer Dosierung als sogenannte Lifestyle-Drug zur Behandlung der androgenetischen Alopezie bei Männern zwischen 18 und 41 Jahren zugelassen worden.

Finasterid blockiert die alpha-Reduktase und verhindert damit das Schrumpfen der Haarwurzeln. Für ältere Männe, die zur Glatzenbildung neigen, ist das Mittel nicht zugelassen worden.

In klinischen Studien konnte nachgewiesen werden, daß bei zwei von drei Männern zwischen 18 und 41 Jahren mit leichter bis mäßig ausgeprägter androgenetischen Alopezie vor allem im Scheitelbereich das Kopfhaar wieder verstärkt wächst (ca. durchschnittlich 10 Prozent). Dazu muß das Mittel über mindestens zwei Jahre eingenommen werden. Wird die Einnahme beendet, fallen die Haare allerdings wieder aus. Männer, die keine Haarwurzeln mehr besitzen, kann Finasterid nicht zu einer neuen Haarpracht verhelfen. Ebenfalls läßt sich die Bildung von "Geheimratsecken" kaum beeinflussen. Die häufigste Nebenwirkung ist Libidoverlust.

 

 

 

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