Ist Schutzimpfung sinnvoll ?

Die aktuellen Bedrohungen durch biologische Waffen und das SARS-Virus haben die Diskussion um Schutzimpfungen wiederbelebt. Seit längerer Zeit wurden Stimmen immer lauter, Schutzimpfungen seien überflüssig, gar schädlich und gefährlich. Diese Stimmen gründen sich auf die stark gesunkenen Zahlen von Viruserkrankungen und Virustoten, die aufgrund der Impfungen der letzten 40 Jahre erzielt werden konnten. Mögliche negative Wirkungen auf das Immunsystem und die seelische Entwicklung von Kindern werden verbalisiert.

Dabei sind die Standpunkte häufig aus der Luft gegriffen und ideologisiert. Ob es einer dramatischen Erkrankung mit hohem Risiko für Leib und Leben bedarf, um eine normale seelische Entwicklung durchzumachen, darf in frage gestellt werden.

Deutschland und Europa sind weitestgehend frei von lebensgefährlichen Erkrankungen wie Polio, Cholera und Thyphus. Noch 1960 wurden in Deutschland mehrere tausend Polioinfektionen mit hunderten von Toten registriert. Seit 2001 gilt Europa als poliofrei.

Das durch die gesunkene Gefahr geminderte Bewusstsein für diese Erkrankungen birgt nun jedoch das Risiko, dass der Impfschutz vernachlässigt oder sogar abgelehnt wird.

Fakt ist jedoch, dass durch die Globalisierung und den zunehmenden Massentourismus auch in Länder der dritten Welt und tropische Regionen, Krankheitserreger wieder zurückkehren, bzw. neue Erreger nach Europa verschleppt werden. So kann es leicht zu neuen Infektionswellen kommen, wenn ausreichender Impfschutz nicht besteht.

Infektionen wie Masern, Mumps und Röteln sind bei uns als Kinderkrankheiten bekannt. Diese Infektionen haben im Verlauf der Geschichte jedoch tausende von Indianern in Süd- und Nordamerika Asien dahingerafft, als die Viren von Seefahrern und Missionaren von Europa eingeschleppt wurden.

Impfungen sind keine Pflicht. Aber jeder sollte für sich selbst entscheiden, ob das sehr geringe Risiko von negativen Impffolgen (leichte Nebenwirkungen und schadhafte Impffolgen sind nie auszuschliessen, aber äußerst selten) mehr wiegt, als ein individueller und kollektiver Impfschutz vor potentiell tödlichen Erkrankungen.

Impfungen werden durchgeführt mit abgetöteten oder geschwächten Erregern. Das Ziel ist, dass das Immunsystem den Gegner kennenlernt und die Bekämpfung trainiert. Es merkt sich den Erreger und die erfolgreiche Strategie gegen ihn. Taucht er dann wirklich auf, kann schnell und effektiv gehandelt werden. Ist er dagegen nicht bekannt, muss erst eine Abwehrreaktion entwickelt werden. Dies kann u.U. zu lange dauern und schwerste Folgen bis hin zum Tod haben.

Schutzimpfungen sind möglich und werden empfohlen v.a. gegen folgende Infektionen:

  • Poliomyelitis
  • Tetanus
  • Diphterie
  • Röteln
  • Mumps
  • Masern
  • Keuchhusten
  • Haemophilus influenzae Typ B
  • Grippe (vor möglichen Grippewellen; Personen über 60 Jahre)
  • Pneumokokken (Personen über 60 Jahre)
  • Hepatitis A+B (bei Reisen in entspr. Regionen)
  • Malaria (bei Reisen in entspr. Regionen)
  • Pocken (neu in der Diskussion)

Lesen Sie weiter unter http://www.rki.de/INFEKT/EPIBULL/2002/28_02.PDF (Quelle: Robert-Koch-Institut)