Die Positivliste kommt

Seit vielen Jahren liegt eine Idee in den Schubladen der Gesundheitspolitiker: die Positivliste. Bislang ist die Realisierung am politischen Widerstand und vielleicht auch an Einsicht gescheitert. Nun aber, wen wundert es noch, will Ulla Schmidt die Liste bringen – gegen allen Wiederstand und wie gesagt wohl auch gegen alle Vernunft. 

Die Positivliste definiert Arzneimittel, die zukünftig zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnungsfähig sein sollen. Alle Medikamente, die nicht auf der Liste stehen werden, sollen nicht mehr erstattungsfähig sein, zumindest nicht auf GKV-Rezept.

Ziel dieser Massnahme soll sein, überflüssige Arzneimittel – deren Einsatz aus medizinisch wissenschaftlicher oder pharmakologischer Sicht unbegründet ist – aus dem Angebot der gesetzlichen Krankenkassenleistungen zu streichen und so weitere Einsparungen zu erreichen.

Nun stellt sich natürlich die Frage, welche Arzneimittel sind fragwürdig und überflüssig und welche nicht, so dass unter dem Strich die medizinische Versorgung verbessert wird und Kosten eingespart werden.

Ein fertige Liste existiert bereits und steht kurz vor der Veröffentlichung. Experten sind sich einig, dass diese Liste es an sehr viel Sachverstand mangeln läßt und nicht zielführend ist. Sie wird eher das Gegenteil erreichen und viele v.a. mittelständische Pharmaunternehmen in den Ruin treiben, deren Produkte nicht auf die Liste kommen. Weitere Arbeitsplätze werden vernichtet.

Nur ein Beispiel soll verdeutlichen, wozu die Umsetzung der Liste führen wird, wenn sie so bestehenbleibt:

Sämtliche Ohrentropfen zur Anwendung bei Entzündungen, Infektionen und Schmerzen im äußeren Ohrenbereich sind nicht auf der Liste enthalten. Begründung: die äußere Anwendung von Ohrentropfen sei unsinnig.

Also sollen diese Erkrankungen in Zukunft mit Tabletten behandelt werden. Für eine kleine Entzündung im Gehörgang soll den Patienten Antibiotika in Tablettenform verordnet werden. Diese Therapie ist nicht wirksam genug, mit Nebenwirkungen behaftet und teuer. Nachbehandlungen und Folgekosten sind unvermeidbar.

Da Ärzte die Notwendigkeit der Behandlung mit Ohrentropfen überzeugt sind, weil Entzündung und stärkste Schmerzen nur so schnell kurierbar sind, werden sie auch weiterhin Ohrentropfen verordnen; auf Privatrezept. Der Patient muß also selber zahlen.

Soll man nun hoffen, dass verantwortliche Gesundheitspolitiker keine diese sehr schmerzhaften Ohrenentzündungen bekommen, um nicht von ihrem Arzt zu erfahren, dass die effektivste Therapie nicht auf GKV-Rezept verordnet werden kann? Aber sicher sind diese Personen privatversichert.

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